Bäume selber bauen aus Blumendraht

(von Werner Wassermann - 08.11.2020)

 

Zum Thema "Bäume bauen" gibt es im Internet Tipps und Anleitungen zuhauf, warum also hier noch einmal darauf eingehen?

Natürlich habe ich nicht das Rad neu erfunden, sondern mich nur ausführlich mit allen möglichen Anleitungen im Netz beschäftigt und am Ende den Weg für mich gefunden, den ich am überzeugendsten finde.

Ich persönlich habe den Anspruch, dass ein selbst gebauter Baum deutlich besser aussehen sollte, als die meisten normal im Handel erhältlichen, sonst lohnt sich der Aufwand nicht. Dabei nehme ich natürlich in Kauf, dass ein einzelner Baum schon mal 3 oder 4 Stunden Arbeit macht und dass insbesondere zu Anfang etwas Aufwand nötig ist, um selbst eine einigermaßen präzise Vorstellung davon zu bekommen, wie ein realistischer Baum aussieht.

Ganz beonderer Dank geht an Uli Strauch (https://www.modellbaukunst-uli-strauch.de/), die mit ihren wirklich überzeugenden Bäumen und den Anleitungen dazu (siehe auch youtube) ganz wesentlich meine eigene Methode beeinflusst hat.

Konkret:
Ich benutze in dieser Fotoreihe gewöhnlichen Blumendraht (die etwas dickere Version, die man auf Stäben aufgewickelt bekommt). Das gibt etwas gröbere Baumkronen, dafür aber sehr stabile Bäume.

Von diesem Draht schneide ich mit dem Seitenschneider etwa 20 gleichlange Stücke ab. Deren Länge bestimmt, wie groß der Baum am Ende wird: hier habe ich etwa jeweils 50cm genommen, alle Stücke dann in der Hälfte umgeknickt und doppelt gelegt und im Knick eine Art Kleiderhaken (aus dickem Schweißdraht gebogen) eingehakt, um zum Verdrillen vernünftig anfassen zu können.

Dann kommt das Bündel in den Schraubstock und wird mit dem Haken kräftig verdrillt, bis sich in etwa die geplante Stammhöhe einstellt. Wirklich kräftig verdrillen ist wichtig, damit das Gebilde nicht wieder auseinander fällt!

Im Anschluss werden die vielen Drähte erst in zwei Bündel getrennt und erneut einige Umdrehungen verdrillt, dann diese dicken Äste wieder in mehrere dünnere aufgeteilt und 2 oder 3 mal verdrillt. Ab hier kommt ein wichtiger Trick von Uli: die langen Enden werden nun zu einer Schlaufe gelegt, so dass die Spitzen zurück reichen bis an die letzte Astgabel und so erneut 2-3mal verdrillt. Im weiteren werden dann immer die Schlaufen auseinander geteilt und wieder verdrillt, bis man am Ende viele kleine Schlaufen hat, die nur noch aus einem einzelnem Draht bestehen.

Beim nächsten Baum mache ich bis hierher noch ein paar mehr Fotos, damit man sich das besser vorstellen kann, versprochen!

 

Diese Schlaufen werden dann mit dem Seitenschneider aufgeschnitten, so dass sich einzelne Zweige ergeben. Mit der Methode spart man enorm viel Aufwand, weil sich die Schlaufen viel bequemer verdrillen lassen und man dabei ja pro Schlaufe immer gleich zwei zukünftige Zweige entstehen lässt.

Am Schluss biegt man alle Äste und Zweige so zurecht, dass ein Baum entsteht, wie er den eigenen Vorstellungen entspricht. Die Spitzen der Drähte sind recht hart, hier empfielt sich eine Zange oder Handschuhe zu benutzen, wenn man nicht zerstochene Finder haben möchte. ;-)

Die dicke Drahtschlaufe am Fuß des Baumes habe ich auch mit dem Seitenschneider aufgetrennt (etwas mühsam, weil so viele Drähte so dicht beineinander liegen) und mit der Spitzzange zu einem Wurzelfuß auseinander gebogen. Wenn man sich damit etwas Mühe gibt, steht der Baum nun auch frei auf einer ebenen Fläche.

Nun werden der Stamm und die Äste modelliert. Dazu habe ich eine Mischung aus Weißleim, Abtönfarbe in braun und handelsüblicher Spachtelmasse (z.B. für die Fugen von Gipskartonplatten) verwendet. Damit ist die Grundfarbe für den Stamm und die Äste gleich vorhanden, durch den Leim ist das Ergebnis recht zäh und platzt nicht so leicht ab, wenn man den Baum einmal aus Versehen ein wenig grob anfasst und durch die Spachtelmasse bekommt man die Möglichkeit, die Äste und den Stamm noch deutlich dicker werden zu lassen, als das Drahtgebilde bislang von selbst ist.

Man kann die Konsistenz, mit der ich gearbeitet habe, hier in etwa erkennen. Damit lässt sich die Masse noch mit dem Pinsel verarbeiten, ist aber auch schon dick genug, um ernstzunehmende Schichten auf das Drahtgebilde aufzutragen und vor allem die Struktur des Drahtes zu verdecken.

Im ersten Duchgang habe ich noch etwas zaghaft aufgetragen und nur bis in die Spitzen versucht, die Drahtschlingen unsichtbar zu machen und überall eine braune Deckschicht auf dem grünen Draht zu hinterlassen.

Im zweiten Duchgang nach einer Nacht Trocknung war ich dann mutiger und habe wirklich Masse aufgetragen. Damit ließ sich dann auch ganz prima ein wenig Knorrigkeit am Stamm nachbilden. Ich habe hier ausschließlich mit einem groben Borstenpinsel gearbeitet.

In der Phase des Abbindens der Spachtelmasse habe ich mit dem groben Pinsel tupfend die Oberfläche des Stammes bearbeitet, so dass sich eine rindenartige Struktur ergab. Getrocknet und damit ohne den Glanz des vorigen Bildes sah der Stamm dann aus der Nähe so aus:

Im Weiteren habe ich mit wenig Farbe aus dem fast trockenen Pinsel mit einem helleren Braunton etwas Abwechslung in das Braun gebracht, mit grau und schwarz noch Schattierungen gezaubert und finde nun, dass der Stamm schon recht naturnah aussieht. Mit etwas mehr Geduld und dem Blick für die Verwitterungen an echten Baumstämmen lässt sich da sicher noch mehr herausholen, aber mit wenig Aufwand ist auch dies schon ganz ansprechend:

Mein erster Versuch mit auseinander gezupftem Belaubungsvlies hat mich noch nicht wirklich überzeugt. Sieht schon ganz nett aus, da ich aber nicht sooo viele Drahtenden an meinem Baum hatte, ergab sich eher ein Bild von lauter Blätter-Puscheln an den Enden der Zweige und nicht die gewünschte Krone.

Ich hatte an verschiedenen Stellen über die Verwendung von Filtervlies für Aquarien als Imitation von feinen Zweigen gelesen und gehört, also habe ich mir das Zeug auch besorgt.

Ich habe ein kleines Stück davon abgeschnitten, vorsichtig mehrfach in dünne Lagen aufgeteilt und dies dann draußen (!) mit brauner Sprühfarbe (Acryl) eingefärbt. Sieht im Ergebnis dann so aus:

Wenn man das Zeug dann in kleine Stückchen zerschneidet (etwa 4cm x 4cm groß) und sehr sorgfältig auseinanderzupft, bekommt man lockere Gebilde, die sich prima mit etwas Weißleim auf den Ästen aufstecken und befestigen lassen. In meinem Fall musste ich ja eher nur die Lücken zwischen den Puscheln des ersten Versuches füllen. Das Ergebnis ließ schon ahnen, dass das besser werden würde:

Nachdem der Leim getrocknet war, habe ich die kahlen Stellen mit Weißleim-Wasser-Gemisch besprüht und mit Laubflocken berieselt. Dafür habe ich zunächst die beim ersten Versuch herabgefallenen Flocken des gekauften Belaubungsvlieses verwendet (das Belauben in einem flachen Karton auszuführen, hat sich dabei bewährt, man kann die Reste bequem wieder in ein Glas oder eine Tüte füllen) und am Schluss mit gekauftem Laub von Noch weitergemacht, bis mich das Ergebnis überzeugt hat.

Ein Tipp zum Thema Sprühen:
Ich benutze dafür einen ausgebrauchten Deo-Pumpzerstäuber. Wenn man unmittelbar nach Gebrauch einfach den Sprühkopf abnimmt und ihn mit klarem Wasser gut durchspült, dann trocknet er nicht ein und man hat einen sehr kleinen Sprüher, der sich gut für den Bastelbedarf eignet.

So sieht der Baum in seiner natürlichen Umgebung aus. Für meinen zweiten Versuch bin ich schon recht zufrieden: