Fleischmann-Drehscheibe von der Hakelei kurieren

(von Werner Wassermann - 22.12.2020)

 

Die an und für sich sehr schöne Fleischmann-Drehscheibe hat bekanntermaßen das unerfreuliche Problem, dass ihr Entriegelungsmechanismus zum Klemmen neigt. Sie macht dann nur leise „klack“ oder knurrt ein bisschen, aber läuft nicht an, so dass man von Hand an den Hebel zum Entriegeln greifen und hier nachhelfen muss.
Nach genauer Beobachtung, was dort eigentlich passiert, bin ich zu folgendem Schluss gekommen: der Antrieb der Drehbühne läuft nach seiner Abschaltung durch den eingebauten Kontakt am Verriegelungsstift noch deutlich nach, so dass der bereits in seine Vertiefung gefallene Verriegelungsstift nun mit Kraft seitlich an der Wandung festgepresst wird. Damit steigt der Widerstand, den der kleine Elektromagnet zum Wieder-Entriegeln aufbringen muss, deutlich an und übersteigt dabei gerne mal dessen Möglichkeiten.

Einfach nur die Betriebsspannung der Drehscheibe verringern, damit die Bühne langsamer dreht und damit der Motor weniger nachläuft, hat leider nicht zum gewünschten Effekt geführt. Vermutlich ist dabei im gleichen Maße die Kraft des Entriegelungsmagneten gesunken, so dass dieser seine Arbeit auch unter den neuen Bedingungen nicht vernünftig verrichten kann.

Dieser Theorie folgend müsste lediglich am Entriegelungsmagneten die volle Spannung anliegen, am Drehbühnenmotor aber eine kleinere, damit einerseits die Drehbühne langsamer läuft und damit nicht so deutlich nachläuft, andererseits aber der Entriegelungsmagnet nicht an Kraft verliert.

Wir sind das Problem dann über eine kleine Schaltung mit zwei Zenerdioden 9,1V (z.B. BZX85/9,1V oder ZPD 9,1V) und einen 100 Ω-Widerstand angegangen:

Diese Bauteile müssen unter der Drehbühne so montiert werden:

Da sich herausgestellt hat, dass die Anschlüsse nicht bei allen Fleischmann-Drehscheiben identisch angeordnet sind, muss man hierbei darauf achten, dass
1. beide Anschlüsse von der Magnetspule weiterhin ohne andere Bauteile dazwischen an die Schleifkontakte führen (im Bild gut zu sehen: gelbes Kabel oben und schwarzes Kabel).

2. der am schwarzen Kabel ursprünglich mit angelötete Anschluss der Drosselspule (dieser Anschluss führt zum Motor) davon getrennt wird und mit einem eigenen, zusätzlichen Kabel (im Bild: unteres, gelb-rosa-geringeltes Kabel) zu der kleinen Schaltung führt. Da sich die beiden, ursprünglich verbundenen Kabel hier sehr nahe kommen, habe ich die Stelle mit einem Tropfen Heißkleber fixiert. Damit sind die Kabel isoliert und können sich nicht im Betrieb verbiegen und berühren.

3. die Schaltung, wie im Bild gut zu sehen, mit dem Ausgang des Widerstandes am einen Spulenanschluss (dem, der ursprünglich der gemeinsame von Spule und Motor war!) und dem Ausgang hinter den beiden Zener-Dioden am zweiten Motoranschluss mit angeschlossen wird.

Die beiden Zener-Dioden sind in der Mitte einfach nur relativ kurz abgeschnitten und dann zusammengelötet worden. Dabei auf die Polarität achten!

Das Ganze ist beim Löten ein bisschen Fummelei – wer gut mit Stäbchen essen kann, ist hier klar im Vorteil, weil man eigentlich mehr Finger zum Festhalten braucht, als man normalerweise wirklich sicher beherrscht. Sonst mit Pinzette oder spitzen Zangen und mehreren Leuten arbeiten… ;-)

Das Resultat ist überzeugend: die Bühne läuft gar nicht einmal sooo viel langsamer als vorher, den Unterschied hat man schnell vergessen. Aber die Entriegelung klappt nun immer zuverlässig, wir hatten seitdem den Handhebel kein einziges Mal mehr in Betrieb.

Suchbild

DSC00195.JPG