Die Verarbeitung von Nassschiebebildern

(von Dieter Heßke - 17.02.2009)

Hier einige persönliche Erfahrungen, aber auch Tipps von erfahrenen Modellbauern zum Thema des Umganges mit Nassschiebebildern. Es gibt eine ganze Reihe von Firmen, die verschiedene Nassschiebebilder unter das Volk bringen, sei es als unbedingt notwendige Beschriftung oder auch als schmückende Dekoration.

Das Prinzip ist bei allen gleich: ab ins Wasser, wieder rausholen und dann rauf auf das Objekt. Die Tücke liegt wie immer im Detail.

Wie lange muss das Objekt der Begierde, sprich das Abziehbild denn nun gewässert werden, wie lange muss es noch weichen und wie ist es dann mit dem Trocknen? Und wie soll es nachträglich und abschließend behandelt werden? Ist ein Weichmacher zu empfehlen?

Fast jede Firma bringt ihre eigenen wohlgemeinten Ratschläge in mehr oder weniger langen und oft schwer verständlichen Gebrauchsanweisungen an den Mann oder die Frau. Firmen, die einen Weichmacher im Programm haben, empfehlen diesen natürlich auch als unverzichtbar, Geschäft ist schließlich Geschäft ;-).

Das Dilemma bei der Sache ist eben, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um das Abziehbild zu übertragen. Wenn man bei den heute üblichen, hauchdünnen Schiebefolien zu früh versucht, sie zu schieben oder ziehen, kann es leicht passieren, dass die Folie zerreißt. Mit Glück kann man dann die zwei oder mehr Teile auf dem Objekt wieder zusammenschieben, bei Pech ist die Folie zerstört.

Wenn man zu lange wartet, lässt die Klebewirkung sehr stark nach, so dass das Abziehbild an den Rändern unter Umständen nicht richtig haftet und sich wieder löst. Klebstoff ist in diesen Fällen total verkehrt, weil sich das Abziehbild kräuselt und dann völlig auflöst. Ebenfalls kann es zum Einschluss von kleinen und kleinsten Luftblasen unter der Folie kommen, was leider erst nach dem Trocknen zu sehen ist. Diese Luftblasen kann man nicht entfernen, denn wenn man die Folie wieder abziehen will, ist erstens die Klebewirkung vorbei und zweitens reißt die Folie in aller Regel. Und durch eine nicht gelungene Beschriftung wird das schönste Modell verschandelt...

So weit die negativen Seiten bei der Verarbeitung von Abziehfolien und was dabei alles verkehrt gemacht werden kann. Die von mir angewendete Methode ist einfach und leicht nachzuvollziehen. Sie ist mir schon vor Jahren von einem sehr erfahrenen Modellbauer empfohlen worden. Einen Versuch ist es allemal wert und die Ergebnisse sprechen für sich.

Man nehme also ein Schälchen mit warmem Wasser, ein paar Tropfen Spülmittel kommen in das Wasser, um die Oberfläche zu entspannen. Dazu ein Spritzer Essig als Weichmacher für das Abziehbild. Essig hat die gleiche Wirkung wie die oben erwähnten Weichmacher, kostet nur viel weniger. In dieses Wasser-Spülmittel-Essig-Gemisch wird das Bild nun eingetaucht oder man lässt es auf der Oberfläche schwimmen. Dabei wird sich das Bild, je nach Größe, mehr oder weniger wölben, bei langen Bildern sogar rollen. Das hängt damit zusammen, dass das Trägerpapier quillt und sich dabei ausdehnt, während die Folie ihre ursprünglichen Maße behält. Wenn sich das Papier wieder glättet, ist dass das Zeichen, dass sich der Kleber gelöst hat und das Bild verschoben werden kann. Aber Vorsicht, eine Ecke kann noch fest sein, beim Bewegen ist dann das Zerreißen vorprogrammiert.

Bei langen, schmalen Folien ist es vielleicht sogar besser, diese zu zerschneiden, um einen unkontrollierten Riss zu vermeiden. Deshalb das Bild in aller Ruhe weichen lassen, eventuell sogar im Wasser lassen, bis es sich wirklich gelöst hat, aber nicht unbedingt vollständig von der Trägerfolie. Dass der Kleber dabei verloren geht, ist unvermeidlich, aber nicht weiter schlimm.

Die Stelle, an der das Bild platziert werden soll, wird nun mit glänzendem Klarlack gestrichen. Das Bild kann dann mit einer Pinzette vorsichtig vom Trägerpapier abgeschoben werden. Kleine Platzierungskorrekturen sind immer noch gut möglich. Der Klarlack wirkt in dem Fall wie ein Kleber und das Bild wird falten- und blasenfrei regelrecht angezogen. Nach dem Trocknen kann man als Schutz auch noch einen dünnen Anstrich Klarlack auftragen. Unbedingt glänzenden Klarlack, z.B. von Revell nehmen. Die in seidenmatten oder matten Klarlacken enthaltenen Mattierungsmittel verhindern eine Haftung der Schiebebilder.

Wenn alles gut durchgetrocknet ist, sollte die Oberfläche noch ein- bis zweimal mit glänzendem, seidenmattem oder mattem Klarlack gestrichen werden, damit eine gleichmäßige Oberfläche ohne sichtbare Übergänge entsteht. Auch die Trägerfolie wird dadurch unsichtbar, das heißt es sind keine Kanten oder Übergänge mehr erkennbar.

Und nun - viel Erfolg !